Home | Texte | Fondation | Ausstellungen | Symposien | Sammlungen | Bibliographie | Galerien | Impressum
  Wolfgang Henze
KUBACH-WILMSEN: SKULPTUR – ARCHITEKTUR

Als darstellende Kunst - weil ihr Figur auch möglich ist - wird die Skulptur generell den visuellen Künsten und somit der Malerei zugeordnet. Im Gegensatz zu dieser ist die Skulptur jedoch als dreidimensionales Gebilde strukturell der Architektur näher und wie diese als Form im Raum oder als Hohlform haptisch erfahrbar. Sie illusioniert nicht, wie die Malerei, ein Bild hinter einer Schirm-artigen Fläche, sie ist, wie die Architektur, das greifbare Objekt selbst. Die Nähe von Architektur und Skulptur wurde durch die neuen leicht formbaren Materialien, wie Stahlbeton und Metall, noch intensiviert. So konnte die Architektur gar in grossem Format zur Plastik werden, was zuvor allein der aus weichen Materialien geformten plastischen Partnerin der aus fester Materie herausgeschlagenen Skulptur möglich war. Kubach-Wilmsen schaffen Skulpturen aus Stein. Ihre Kunst sucht wie selbstverständlich als Umfeld eine Architektur klassischer Formen, gerader Linien und rechter Winkel, welche als Ausdrucksmittel allein der Proportion vertraut. So wollen sie ihre Stein-Stiftung Tadao Ando anvertrauen, so wollen sie umgekehrt die Räume von Oswald Matthias Ungers durch ihre Skulptur erproben.

Anna und Wolfgang Kubach-Wilmsen schlagen seit 1969 Variationen von zwei Urbildern aus dem Stein der gesamten Erde und bearbeiten den Stein gleichzeitig dergestalt, dass er sein Inneres offenbart. Da ist zunächst das Urbild des Trägers der Materie, die Säule in allen ihren Spielarten, und dann das Urbild des Trägers des Geistes, das Buch. Ihr Material, den Stein, nutzen Kubach-Wilmsen jedoch keineswegs allein als Medium, sie öffnen ihn vielmehr für unsere Augen durch feinsten Schliff. Gleichsam seziert, blicken wir in sein Inneres, in seine Geschichte. In diesem spannungsvollen Verhältnis von Thema und Form einerseits sowie Materie und Handwerk andererseits ereignet sich die Kunst dieses Künstler-Ehe-Paares.

Die Säule war im Anfang aus Holz. Der Stamm des Baumes trug das schützende Dach. Doch schon bald, wo immer die wachsende Kenntnis dies ermöglichte, wurde der Holzstamm durch Stein ersetzt. Die sich nach oben verjüngende Form des Holzstammes wurde beibehalten und die Furchen der Rinde stilisiert in den Kanneluren nachempfunden. Dieser Urtypus der Steinsäule, die dorische Griechenlands, wurde um 1969 zum Ausgangspunkt des gemeinsamen Werkes von Anna und Wolfgang Kubach-Wilmsen und ist bis heute eines ihrer beiden formalen Generalthemen. Die kannelierte Säule erlebte unter ihren Händen zahlreiche Metamorphosen, die Kanneluren drehten und wanden sich. Sie wuchs organisch direkt aus der Erde, ohne Basis, und konnte nach zweimaliger Wende in die Erde zurückkehren. Sie rundete sich an beiden Enden, verpuppte sich, oder kehrte nach vier Wendungen in sich selbst zurück als unendliche Form. Sie konnte sich verknoten oder zur Form einer auf dem Kopf stehenden Amphore mutieren.

Mit dem Steinbuch entdeckten Kubach-Wilmsen um 1976 ihr zweites General-Thema. Es sollte sich als noch tragfähiger und Varianten-reicher erweisen. Zunächst gab es das Buch in allen Größen, Arten und Zuständen, auch die Buchrolle, das heruntergefallene oder geworfene Buch, das wie "Ikarus" unsanft gelandet war, das Buch aufgestapelt zum Buchturm und schliesslich auch die Buchruine. Es ging aber auch um den Inhalt des Buches, das Wort, ob geschrieben oder gedruckt, denn es folgten die weiteren Träger des Wortes, die Zeitung, das einzelne Blatt, selbst die gute alte Schiefertafel oder der "Support des rêves", ein zusammengesunkener Papierstapel sowie der Brief und schlussendlich der Monitor, der neben dem Wort, wie alle zuvor genannten Medien, auch das Bild tragen kann: "L’image de pierre".

Der Stein wurde von Bildhauern noch nie so ernst genommen wie von Kubach-Wilmsen. Sie vollenden eine Entwicklung, welche mit einem Irrtum der Renaissance begann: Nach der Kunsttheorie der Renaissance, welche von der Malerei täuschende Ähnlichkeit forderte, hätte deren Plastik folgerichtig ebenfalls täuschend ähnlich farbig gefasst sein müssen. Die wieder aufgefundenen Marmorstatuen der Antike zeigten jedoch ausschliesslich die weisse Oberfläche makellosen Marmors. Dies wurde - und blieb bis auf Ausnahmen und bis in die jüngste Zeit - das Ideal des Bildhauers. Von der Tatsache der ursprünglichen farbigen Fassung der antiken Statuen erfuhr man erst später. Die Form wurde also so ähnlich wie möglich gestaltet, die Oberfläche zeigte sich dagegen von Form und Darstellungsgegenstand völlig unabhängig als monochromer, in seinem Eigenleben zurückgenommener Stein. Dieser seit der Renaissance bestehende Widerspruch von Kunsttheorie und Oberflächengestaltung in der Plastik wurde erst nach 1968 in zwei Richtungen aufgelöst. Die Urknall-ähnlich aufbrechende Vielfalt der Kunst der Gegenwart machte dies möglich. Einerseits schufen Künstler wie etwa Duane Hanson die Plastik perfekter Illusion, durch welche nicht nur die Vögel - wie in der Malerei der Renaissance - sondern nachweislich viele Menschen getäuscht wurden. Andererseits wurde von Kubach-Wilmsen in der reinen Oberfläche des Steines dieser selbst zum ersten Male voll zur Kenntnis genommen und in ihn hineingeschaut. Seine spröde Oberfläche wurde durch einen besonders feinen Schliff transparent. Wir lesen im Stein, wenn wir auf eines ihrer Bücher oder Blätter schauen, und begreifen im wahrsten Sinne des Wortes, wie wir auch den Sinn der Säule begreifen, die nämlich ursprünglich tatsächlich direkt aus der Erde wuchs.

Wenn Kubach-Wilmsen also nach der großen Abstraktion in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ihren Beitrag zu neuer Gegenständlichkeit leisteten, zu neuer Lesbarkeit der Dinge, dann stand ihnen bezüglich der Legende des Steines, die sie auch erzählen wollten, die Architektur Pate. In ihr nämlich konnte - wenn auch zu rein dekorativen Zwecken - der Stein schon immer sein Innenleben in fein geschliffener Oberfläche zeigen, vor allem in den Steinsäulen, die, wenn kein edler Stein vorhanden oder dieser zu teuer war, sogar eine künstlich geäderte glatte Oberfläche in Stuccolustro zeigen mussten. Die Wurzeln, aber auch die Ergebnisse der Skulptur von Kubach-Wilmsen werden zum Wechselspiel mit der Architektur, wenn ein Buchturm zu einem mächtigen Pfeiler wird, der vieles tragen könnte und doch sensibel die Geschichte der Steine der verschiedenen Kontinente erzählt, oder wenn das Ur-Element der Architektur, die mächtige dorische Säule, obwohl aus römischem Travertin gehauen, sich unvermittelt plastisch verformt und wieder in die Erde zurückkehrt, aus der Architektur und Skulptur wuchs.

aus: Ausstellungskatalog Kubach-Wilmsen, Skulptur – Architektur, Deutsches Architektur-Museum, Frankfurt 2002

 

 

Simone Philippi
Anna und Wolfgang Kubach-Wilmsen
Skulptur – Architektur

Die Bildhauer Anna und Wolfgang Kubach-Wilmsen haben durch ihre Werkphasen Steinbücher einen Bekanntheitsgrad erreicht, der längst Europas Grenzen überschritten hat. Von Taschenbüchern als Handschmeichlern bis hin zu tonnenschweren Buchblöcken und Buchtürmen, die Landschaft ortend, wurde das Werk in allen fünf Kontinenten ausgestellt bzw. installiert.

Das künstlerische Gesamtwerk der Bildhauer Kubach-Wilmsen ist eine nunmehr 38jährige Hommage an die Materie Stein als natürlich gewachsene Architektur des Erdplaneten. Ihr Oeuvre befaßt sich bis heute ausschließlich mit dem Stein als Archetypus, und sie begreifen ihn als Relikt einer millionenjährigen Entstehungsgeschichte der Erde.

Weniger bekannt sind ihre Steinskulpturen mit den aus der Architektur entlehnten Titeln Säule, endlose Säule, lehnende Säule, Säulenpuppen, Säulengang, Weg, Boden, Pyramide, Klagemauer, Fries, Steinbuch-Kapitell, Tempel, Ruine, Keil, Piazzetta, Haus, Tor, Turm.

Diese Stein-Stück-Werke, aus dem Grundriß und Querschnitt des Steinbruchs in allen fünf Kontinenten gebrochen, konzentrieren und konservieren ihren Zusammenhang mit der Erde in sich, vergleichbar einem Architekturdetail. Kubach-Wilmsen schleifen und stimmen ihre Anschauungsformen, bis Glanz entsteht, und das Stein-Stück-Werk die Geschichte seines eigenen Herkunftslandes ortet und offenbart im Bauwerk der Welt, der Lithosphäre.

Der Stein ist somit bei Kubach-Wilmsen im Vergleich zu anderen Bildhauern des Abendlandes nicht mehr Material der Form, sondern Formen werden Anschauungsmaterial des Steins.

Während der gebrochene Stein wie eine ruhende Nachricht wirkt, kommt der geschliffene Stein dem Menschen entgegen. Steinoberfläche und Haut werden ähnlich. Der innere Stein wird begreifbar. Als Energiespeicher weckt er des Menschen Tastsinn.

Wer einmal Steine am Strand oder in einem Flußbett gesammelt hat, ist zunächst fasziniert von ihren Farben, Adern und feingeschliffenen organischen Körpern. Erst viel später erkennt er den einzelnen Stein als ehemaliges Bruchstück eines vielleicht 500 Kilometer entfernten Felsvolumens. Andere Steine im Flußtal haben ihn gestoßen, gerundet und hierher transportiert. Wasser und Sand haben ihn feingeschliffen. In einer differenzierten Gesetzmäßigkeit sind des Flußtals Kollergang und des Künstlers Schleifgang im Atelier einander ähnlich. Kubach-Wilmsen haben ihr Atelier gelegentlich mit einem Flußbett verglichen: Steine geraten hinein und die Zeit lagert sie ab im Bezugsfeld der Entwicklung.

Die Suche nach Steinen hat die Bildhauer Kubach-Wilmsen in viele Länder der Erde geführt. In den entlegensten Landschaften fern ab von der Straße haben sie Steinbrüche entdeckt.

Diese Steinbrüche erheben sich wie ein architektonischer Einschnitt in die Erde. Die Bruch-Wände aus purem Steinvolumen eröffneten sich ihnen vergleichbar Panoramabildern aus dem Inneren der Erde.

Die Steinbrüche von Carrara erlebten sie wie die Ruine eines überdimensionalen Klosterberges mit weißen Steinbruchzellen. Die Steinbrüche in Vermont im Norden der USA verglichen sie mit einer unterirdischen Kathedrale mit massiven Pfeilern, die den Leerraum unter der Erdkruste stützen. 1985 besuchten sie die blauen Steinbrüche von Brasilien, und sie fanden, daß weder das Blau des Himmels noch das Blau des Meeres vergleichbar mit den lapislazuli-blauen Einlagerungen im brasilianischen Granit ist.

Der Einschnitt in die Tiefe der Erdoberfläche ist gleichzeitig ein Querschnitt durch die Erdgeschichte. Die Evolutionsgeschichte Stein eröffnet sich Schicht um Schicht in Struktur, Farbe, Adern, Lager, Kristallisation. Die Einsicht und Entdeckung dieser Materie Stein mit seinen universalen Zeichnungen wie Hieroglyphen eines universalen Alphabetes ist allen Menschen gemeinsam und von Afrikanern, Australiern, Asiaten, Amerikanern und Europäern gleichermaßen lesbar.

Endlose Säule 1974

Die Entwicklung der Säulen-Werkphase bei Kubach-Wilmsen zeigt, daß mit der Säule nicht das tragende Element oder die Säule als Architekturschmuck gemeint ist. Ausgehend von der Erdader 1970 ist die Säule nicht stehende oder tragende Form, sondern immer fließende Form.

Die Endlose Säule aus gebändertem türkischen Marmor beinhaltet einen unaufhörlichen Kreislauf. Im Grundriß quadratisch erhebt sie sich von zwei Seiten über den Boden, um an den beiden anderen Seiten zum Boden zurückzukehren. Die Längskanneluren verstärken den Eindruck des Strömens. Viermal verändern sie ihren Richtungscharakter, umspielen die Endlose Säule und bergen ihr Licht.

Lehnende Säule 1978

Steinsäulen, genormt und gereiht, waren jahrhundertelang tragende architektonische Elemente. Diese statische Funktion haben sie in der heutigen Architektur verloren. Bei Kubach-Wilmsen lehnt die Säule – ohne Basis und Kapitell – an einem Baum im Architektur-Museum Frankfurt, einer Entelechie-Form vergleichbar. Was sie einst im Architekturzusammenhang versinnbildlichte - Macht, Hoheit, Triumph – scheint Vergangenheit: Die lehnende Säule in Frankfurt reiht sich ein unter Bäumen und Menschen.

Zart, leicht und flexibel wirkt die lehnende Säule aus Carraramarmor. Aus ihrem Berührungspunkt mit der Erde entwickeln sich vier Spiral-Kanneluren, umspielen ihren Körper, steigen auf und finden zusammen in ihrem Scheitelpunkt.

Im Zustand des Lehnens scheint die Säule ihr Gewicht zu verlagern. Aus der Lehnung wird Zuwendung zum gewachsenen Stamm des Baumes. Das gebündelte Licht der steigenden Spiralen bespielt diese Anlehnung und erhebt den Blick des Betrachters über ihren Entwicklungszustand hinaus zum Firmament des Himmels.

Säulenpuppen, 1975

Die Säulenpuppen aus spanischem Nero-Marquina-Marmor entstanden im internationalen Bildhauersymposion in Vancouver, Kanada, parallel zu der großen Horizontalen Säule im Jahr 1975.

Säulenpuppen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von Säulen: Sie stehen nicht vertikal, sondern liegen horizontal. An den "Enden" sind sie abgerundet, vergleichbar raupenartigen Organismen, die sich "verpuppt" haben auf dem Entwicklungsweg zum Schmetterling.

Kanneluren betonen die gestreckte Form, umspielen den Steinkörper. Sie führen den Blick um den Stein herum vom einen zum anderen Ende. Die fertiggeschliffenen Oberflächen regen den Tastsinn an und laden zum Begreifen ein.

Säulengang 1988

Die Werkphase der Säulenpuppen von 1975 wurden 1988 Teil einer neuen Werkphase mit dem aus der Architektur entlehnten Titel Säulengang. Im Gegensatz zum architektonischen Säulengang horizontal schufen Kubach-Wilmsen zunächst die ausgestellte Skulptur Säulengang aus weißem Carraramarmor, 300 x 30 x 30 cm, mit 99 inliegenden Säulenpuppen und anschließend die große Freilichtskulptur Säulengang, 1989-91.

Vier Monolythe aus Carraramarmor wurden aufeinandergebaut und bildeten einen weißen Turm mit vergoldetem Abriß zum Himmel, zwölf Meter hoch. Durch 99 Hohlbohrungen entnahmen die Bildhauer dem Turm 99 Bohrkerne und machten das Turmvolumen transparent, vergleichbar 99 Tunnelröhren in das Innere des Steins. Die 99 Bohrkerne schliffen sie zu Säulenpuppen.

Während der weiße Turm sich der Architekturvorstellung näherte, benahmen sich die Vielzahl der Säulenpuppen wie lebende Steinvolumina und offenbarten ihre eigene Entstehungsgeschichte aus Kristallisation, Struktur, Netzwerk, Adern und Farbe. Sie verweisen auf Lebenszeichen einer anderen Zeitrechnung.

Den Schleifprozeß als Offenbarung beschrieb Anna Kubach-Wilmsen in ihrem Tagebuch:

7. September 1989
Zum zweiten Mal erlebe ich heute die Form-Erfüllung der Säulenpuppe durch des Steines Vor-Geschichte. Es ist, als ob die Säulenpuppe in den Schleifphasen von 16 bis 400 Korn sich organisiert. Die milchig matte Oberfläche konzentriert sich unter meiner schleifenden Hand und klärt sich auf in Farbe, Zeichnung und Struktur. Am Ende der Tagesarbeit zeigt sich der Stein in seiner neuen Befindlichkeit.

27. November 1989

Nach Vollendung der 79. Säulenpuppe tastet heute abend meine Hand über ihre Oberfläche und sucht nach einem Lebenszeichen, einem Herzschlag. Ich begreife, daß ein Herzschlagintervall dieses millionenjährigen Steines länger dauert als mein ganzes Leben.

30. Dezember 1989

99 Bohrkerne sind verwandelt in 99 Säulenpuppen. Wie Stein-Individuen liegen sie da – nebeneinander, übereinander und untereinander – und bilden eine für das Auge unfaßbare Zahl differenzierter Steinexistenz.

Am Ende erfüllten 99 Säulenpuppen als Stein-Individuen die Öffnungen des Turmes, aus denen sie genommen wurden.

Der Säulengang wurde ausgestellt
1992 im Märkischen Museum Witten,
1993 in der Kunsthalle Dominikanerkirche Osnabrück und
2001 fest installiert in der Landschaft vor Bad Kreuznach.

Kreis-Säule 2000/2001

33 Säulen wurden rund um den Erdplaneten aus der Erdkruste gebohrt und aus 33 Ländern zusammengetragen. Der Schleifprozeß verwandelte das eher anonyme Stein-Stück-Werk in eine reiche Farbskala von Säulenromben. Aneinandergefügt, bilden sie eine offene Kreisform.

Im Deutschen Architektur-Museum Frankfurt duchmißt die Kreis-Säule zwei Höfe zart wie ein Ring.

Wollten wir den ganzen Erdplaneten schleifen, würde er vergleichbar
einem bunten Ball.
KUBACH-WILMSEN

Die Kreis-Säule ist sozusagen ein Lesezeichen all dieser Kontinentalschollen, die die Lithosphäre schufen. Jede Säule ist als Kreisabschnitt in Farbe und Struktur, Zeichnung und Kristallisation einzigartig. Umgekehrt kann die einzelne Rombe nur als Relikt des ganzen Kreises Unverzichtbarkeit gewinnen.

Kubach-Wilmsen sehen einen engen Zusammenhang zum Säulenforum, 1997/1998 im GeoForschungsZentrum Potsdam, wo zwölf Bohrkerne aus allen fünf Kontinenten bis zu einer Höhe von rund fünf Metern den Eingangsbereich gestalten.

Vision: Internationales Steinbildhauer-Symposion 3001

Wir gehen davon aus, daß im Jahre 3001 das Leben die Erde verlassen und sich auf einem anderen Planeten neu etabliert hat.

Ideevorstellung: Alle Steinbildhauer sind eingeladen, in einem internationalen Bildhauer-Symposion 3001 die ausgeplünderte Erde als Lithosphäre im Licht des Universums neu erscheinen zu lassen.

Sie sind eingeladen zu einem weltumfassenden Schleifprozeß der Erdkugel: Die steinerne Erdkruste soll bis unter die Tiefen ihrer zivilisatorischen Verwundungen neu "entdeckt" und feingeschliffen werden.

Am Anfang erscheint die Erde als farbige Sphäre im All:

Schwarz in Afrika
Weiß in Griechenland
Blau in Brasilien
Gelb in Asien
Rot in Australien
Türkis in China
Grau in Deutschland

Die kontinentalen Stein-Schollen sind nicht länger Plattformen des Lebens, sondern werden "sich selbst". In Schleif-Prozessen von 16 bis 500 Korn werden sie Anschauungsformen der Evolutionsgeschichte der Erde. Granit – Labrador – Serpentin – Marmor – Sandstein – Travertin – verbinden sich als farbiges Schalen-Stück-Werk und zeichnen ihre sphärische Krümmung im Universum.

KUBACH-WILMSEN, 2001

aus: Ausstellungskatalog Kubach-Wilmsen, Skulptur – Architektur, Deutsches Architektur-Museum, Frankfurt 2002